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Der Eisenbahnverkehr in einem typischen Fremdenverkehrsgebiet

Dr. Paul Buchli (Direktor der Rhätischen Bahn, Chur)

The Tourist Review

ISSN: 0251-3102

Article publication date: 1 March 1950

Abstract

An der letzten Schweizerischen Landesausstellung, die — in die Arglist des Jahres 1939 hineingewachsen — eine besondere Mission zu erfüllen hatte und zu erfüllen vermochte, stand eine ihrer Hauptabteilungen unter der kühnen Devise: “Die Schweiz, das Ferienland der Völker”. Gelang es damals moderner Ausstellungskunst und lebendiger Betriebsweise, diesen Ruhmestitel für das ganze helvetische Staatsgebiet, vom Genfersee zum Bodensee, von Basel über den Gotthard bis nach Chiasso, in überzeugender Art und auf kleinstem Raum unter Beweis zu stellen, so konnte und wollte doch gerade eine derartige optische Gesamtschau weder auf die Vielfalt der Aspekte verzichten, noch die Tatsache einer ungleichen Verteilung des touristischen Potentials auf Kantone und Regionen verbergen. Mehr oder weniger deutlich abgegrenzte Teilgebiete — so die Genferseegegend, das Berner Oberland, die Zentralschweiz und Graubünden — waren touristische Begriffe und fremdenverkehrspolitische Gegebenheiten, längst bevor für eine gesamtschweizerische touristische Interessenwahrung ein Bedürfnis empfunden wurde und eine Notwendigkeit erkannt werden musste. Die historischen schweizerischen Fremdenverkehrsregionen haben ihre Eigenständigkeit zu wahren verstanden, und sie erweisen sich dank differenzierter historischer Entwicklung, verkehrspolitischer Erschliessung und Struktur als dankbare Untersuchungsobjekte für Detailstudien. Im besonderen mag dies für Graubünden zutreffen, da hier die aus fremdenverkehrspolitischen Erwägungen und Zielsetzungen gedachten Grenzen teil des Transits an Kaufmannsgütern zwischen den rheinischen und schwäbischen Landen im Norden und den Kornkammern und Handelsstädten im Süden des Alpenkammes, in Piemont, in der Lombardei und in Venezien. Die Saumund Karrwege, die Susten, Herbergen und Hospize dienten in wachsendem Masse auch den wandernden Handwerksgesellen und Scholaren, der touristischen Region mit den politischen Marken des an Flächenausmass grössten eidgenössischen Kantons, eben Graubünden, übereinstimmen und somit ein geographisch eindeutiges und im Sinne der allgemeinen Charakterisierung typisches Fremdenverkehrsgebiet umschliessen. So mag denn auch eine auf Graubünden beschränkte Würdigung der den Eisenbahnen, hier der Rhätischen Bahn, zukommenden Rolle im Touristen‐ und Fremdenverkehr nicht unberechtigt erscheinen.

Citation

Buchli, P. (1950), "Der Eisenbahnverkehr in einem typischen Fremdenverkehrsgebiet", The Tourist Review, Vol. 5 No. 3, pp. 95-101. https://doi.org/10.1108/eb059664

Publisher

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MCB UP Ltd

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